Friday 18. October 2019

Ökumenischer Theologischer Tag 2019

Rechtspopulismus und Christentum – politikwissenschaftlich, theologisch, pastoral betrachtet

Der diesjährige Ökumenische Theologische Tag am 15. Mai 2019 im Priesterseminar beschäftigte sich mit dem Thema Rechtspopulismus und christliche Kirchen

Publikum

 

Rechtspopulismus und Christentum –
politikwissenschaftlich, theologisch, pastoral betrachtet

 

Die morgendliche Andacht gestaltete Dr. Thomas Pitters entlang der Bibelstelle „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist“ Eph 2,19–20.

 

Danach eröffnete Prof. Dr. Anton Pelinka den Vortragsreigen mit einem politikwissenschaftlichen Blick auf das Phänomen „Rechtspopulismus“. In seinen Analysen spannte er den Bogen von einer Begriffsklärung und dem Blick auf die Ursprünge des Populismus über das Verhältnis von Rechtspopulismus und Demokratie bis hin zu den großen Themen des Rechtspopulismus Volk, Migration, Eliten, Andere u.ä. Im letzten Teil gab Pelinka Hinweise für eine Haltung gegenüber dem Rechtspopulismus. Er rät demnach, dazu vermeintliche Gewissheiten kritisch zu hinterfragen, Begriffe zu dekonstruieren (z.B. „Rasse“) und bei Vereinfachungen „genauer hinzuschauen“.


Die Pastoraltheologin Prof.in Dr.in Regina Polak beschrieb die Elemente des Rechtspopulismus unter dem Vorzeichen des „Kampfes gegen“ – z.B. gegen Pluralität, gegen ökonomisch „Nutzlose“, gegen „die Eliten“ und zeigte anhand von Studien (v.a. Europäische Wertestudie 2010) die Affinität von Menschen mit religiösem Selbstverständnis zu dieser politischen Strömung. Ausgehend von biblischen Erzählungen wies Polak auf den Widerspruch zwischen rechtspopulistischen Positionen und dem christlichen Glauben hin. Auf Basis des jüdisch-christlichen Gottesbildes, des Glaubens an einen Gott, der immer wieder zum Aufbruch ruft und in der Veränderung begleitet, beschrieb sie potenzielle Handlungsräume für Pastoral und Theologie.


Bischof Dr. Manfred Scheuer nahm in seinem Vortrag zu Beginn die Themen der Unübersichtlichkeit und das Streben nach Sicherheit in den Blick. Er fragte außerdem nach der „Kunst sich recht zu ängstigen“ (Kierkegaard) und plädierte dafür „die destruktive Seite der Angst durch eine Kultur der Begegnung und Bildung zu verwandeln“. Superintendent Dr. Gerold Lehner warnte davor gleichzeitig mit dem Rechtspopulismus auch ein „konservatives“ Christentums auf die Anklagebank zu zerren und wies auf thematische Berührungen oder Überschneidungen von Positionen konservativer ChristInnen und rechter Politik hin. Zuletzt plädierte Lehner für eine Kommunikation in den Kirchen, die niemanden ausschließt – auch nicht AnhängerInnen des Rechtspopulismus.


Podiumsdiskussion

 

In der anschließenden angeregten Diskussion zwischen ReferentInnen und Teilnehmenden wurden Themen wie die Verlustängste von AnhängerInnen des Rechtspopulismus oder der Umgang mit Rechtspopulismus innerhalb der Kirchen wieder aufgriffen und weitervertieft.

 

 

Zum Ökumenischen Theologischen Tag: Der in seinen Anfängen ökumenisch ausgerichtete „Pfarrertag“ der Römisch-Katholischen und der Evangelischen Kirchen etablierte sich in den Jahrzehnten seines Bestehens zu einem Ökumenischen Theologischen Tag, der aktuelle Entwicklungen in Kirchen und Gesellschaft thematisiert und zu dem Mitarbeitende aller Kirchen und alle Interessierten eingeladen sind.

 

Mag.a Gudrun Becker/Ökumene-Referat

Fotos © Ökumene-Referat

 

Ökumenischer Theologischer Tag

Gruppenfoto: v.l. Dr. Thomas Pitters (Evang. Kirche), Prof. Dr. Anton Pelinka, Mag.a Gudrun Becker (Röm.-Kath. Kirche/Ökumene-Referat), Prof.in Dr.in Regina Polak, SI Dr. Gerold Lehner (Evang. Kirche), Bischof Dr. Manfred Scheuer (Röm.-Kath. Kirche) 


Mag.a Gudrun Becker/Ökumene-Referat

 

 

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